Berlin, 19. Oktober 2026. – Vom Vermächtnis des Comandante en Jefe Fidel Castro Ruz über die Rolle von Bildung und Kultur bei der Herausbildung des revolutionären Bewusstseins bis hin zu Internationalismus, internationaler Solidarität, Süd-Süd-Zusammenarbeit und der Stärkung progressiver und linker Bewegungen weltweit: Die von der Rosa-Luxemburg-Stiftung in Berlin organisierte Konferenz „100 Jahre Fidel Castro und die Zukunft der kubanischen Revolution“ beleuchtete vom 16. bis 18. Oktober in zehn Podiumsdiskussionen ein breites Spektrum an Themen im Zusammenhang mit der Karibikinsel, ihrer aktuellen Lage, den Herausforderungen für den kubanischen Revolutionsprozess – der durch die anhaltende Belagerung durch die US-Blockadepolitik geprägt ist – sowie die Auswirkungen, die das kubanische Emanzipations- und Revolutionsprojekt auf die Welt hat.
An der Veranstaltung nahmen täglich mehr als 100 Personen aus ganz Deutschland teil, darunter Mitglieder der breiten Solidaritätsbewegung mit Kuba, Mitglieder der Partei Die Linke sowie Vertreter progressiver und Jugendorganisationen. An den Podiumsdiskussionen beteiligten sich Referenten aus Kuba, Deutschland und Mexiko. Die große kubanische Delegation setzte sich zusammen aus René González Barrios, Direktor des Zentrums „Fidel Castro Ruz“; Georgina Alfonso und Félix Valdés, Direktorin bzw. Forscher am Institut für Philosophie in Havanna; Katiuska Blanco, Journalistin, Historikerin und Biografin von Fidel, sowie Roberto Chávez, Professor und Designer am kubanischen Desinginstitut (ISDI), der für die visuelle Gestaltung der Veranstaltung verantwortlich war. An der Veranstaltung nahm auch Rigoberto Zarza, Europa-Direktor des Instituts für Völkerfreundschaft, teil.
Als gemeinsame Schwerpunkte der Debatten kristallisierten sich die Notwendigkeit heraus, die Ideen und das Vermächtnis Fidels sowie die Entstehung und Entwicklung der kubanischen Revolution zu analysieren und eingehender zu untersuchen, und vor allem die Dringlichkeit, weltweit Kräfte zu bündeln, um den Erhalt des kubanischen Revolutionsprozesses zu unterstützen.
(Foto) Facebook Ines Schwerdtner
„Wir müssen den Menschen verständlich machen, dass es bei dem, was heute in Kuba geschieht, um die Zukunft der Menschheit geht. Deshalb ist es wichtig, die Ideen von Fidel Castro zu würdigen, denn sie beziehen sich nicht nur auf Kuba, sondern sprechen auch die Debatten an, die für die Menschheit von Bedeutung sind“, erklärte Alina Duarte, Verantwortliche für internationale Beziehungen am Nationalen Institut für politische Bildung der Partei MORENA, die zudem die untrennbaren Freundschaftsbande zwischen dem kubanischen und dem mexikanischen Volk hervorhob, die nun in der Haltung tiefer Solidarität mit der Insel zum Ausdruck kommen, nicht nur von Seiten der Bevölkerung, sondern auch von der mexikaniscchen Regierung unter der Führung von Claudia Sheinbaum, angesichts der grausamen Politik der Kollektivstrafe, die dem kubanischen Volk durch die völkermörderische Blockade der US-Regierung auferlegt wird.
Katiuska Blanco stellte Fidel Castro auch als großen Humanisten dar, dessen Ideen nicht nur Besorgnis zum Ausdruck brachten und das Handeln im Rahmen des kubanischen Revolutionskampfes vorantrieben, sondern auch nach Antworten auf die drängendsten Probleme der Menschheit suchten – nicht nur für deren historische Gegenwart, sondern auch für die Zukunft.
Die internationale Solidarität und die Notwendigkeit, diese für die kubanische Sache zu mobilisieren, war ein weiterer zentraler Punkt der Veranstaltung. Zu diesem Thema äußerten sich Mitglieder der Organisation Interbrigadas, die mehrere lokale Projekte auf der Insel betreibt; junge Teilnehmerinnen der von der Rosa-Luxemburg-Stiftung organisierten internationalen Ausbildungsbrigade in Kuba, an der Mitglieder aus 16 europäischen Ländern teilnahmen, die alle von dem Geist der Solidarität beeindruckt waren, der auf kubanischem Boden herrscht und der – ebenso wie der Internationalismus – kein Thema ist, das zur Debatte steht oder erst einberufen werden muss, sondern dem Bürgerbewusstsein und dem Wesen der Kubaner*innen innewohnt.
Dies betonte Steffen Nieße, Bundeskoordinator von CubaSí, einer Organisation mit 35-jähriger Tradition der Solidarität mit der Insel, als er den Beitrag Kubas zur Süd-Süd-Zusammenarbeit hervorhob – nicht nur im Sinne der wirtschaftlichen Zusammenarbeit, sondern auch der Solidarität, die sich in der Gründungsrolle Kubas bei Organisationen wie ALBA oder CELAC zeigt; oder durch die Schaffung gemeinsamer Programme mit anderen lateinamerikanischen Regierungen, wie die „Operación Milagro“ (Operation Wunder) oder die Lehr- und Alphabetisierungsmethode „YoSíPuedo“, die über die Grenzen der Region hinausging und inzwischen in unzähligen Ländern Afrikas, Europas und Ozeaniens angewendet sowie in mehr als 16 lokale Sprachen angepasst wurde.
Die Begegnung mit der „bedingungslosen Solidarität“ in Kuba war auch für Marisol, die im vergangenen März als Mitglied der Jugendbrigade nach Kuba gereist war, einer der Highlights des Besuchs. Diese Solidarität kommt in Projekten wie der Lateinamerikanischen Medizinischen Hochschule zum Ausdruck, die nicht nur jungen Lateinamerikanern, sondern auch Palästinensern, Sahrauis und sogar einkommensschwachen US-Amerikanern Zugang zu einer hochwertigen medizinischen Ausbildung bietet, die sich später in der Gesundheitsversorgung unzähliger verarmter, indigener und benachteiligter Gemeinschaften auf der ganzen Welt niederschlägt.
(Foto) Facebook Ines Schwerdtner
Der Anlass bot der kubanischen Botschafterin Juana Martínez González die Gelegenheit, auch dem breiten Engagement und der herausragenden Rolle zu danken, die die Solidaritätsbewegung mit Kuba in Deutschland bei der Verteidigung der kubanischen Sache und im täglichen Widerstandskampf des Volkes der Insel gespielt hat. Sie hob vor allem die Bedeutung der Einheit aller solidarischen Kräfte sowie der Koordination und Zusammenarbeit mit Bewegungen in anderen Ländern hervor und führte dabei aktuelle Beispiele an, bei denen die Koordinierung gemeinsamer Bemühungen aus Deutschland und Mexiko dazu führte, dass die Behandlung von Krebspatienten in Kuba für einen Zeitraum von sechs Monaten gesichert werden konnte. Sie bekräftigte, dass nur das gemeinsame und geeinte Handeln der Völker die notwendige Reaktion der Regierungen bewirken werde, damit die Unterstützung, die die überwältigende Mehrheit der internationalen Gemeinschaft seit 33 Jahren in Folge in der UN-Generalversammlung für die kubanische Resolution zur Aufhebung der Blockade bekundet wird, und diese Politik der Erstickung eines Volkes- das den Frieden verteidigt und sich nur danach sehnt, das Projekt voranzutreiben, für dessen Aufbau es souverän entschieden hat - ein für alle Mal beendet wird.
Georgina Alfonso schloss sich dieser Einschätzung an, als sie bemerkte: „Noch nie war die Solidarität mit Kuba so spürbar wie jetzt. Wir haben schon immer von der Solidarität gesprochen, die Kuba bietet, und sie auch gesehen. Aber noch nie war uns so bewusst, wie viel Solidarität Kuba selbst erhält. Und die ist enorm. Das wirkt sich aus, und die jungen Menschen sehen es: Sie sehen, dass Kuba nicht allein ist. Das hat große Auswirkungen auf Kuba. Und all diese Solidarität hat einen Grund: Es gibt immer noch viele Menschen auf der Welt, deren Vorbild für Emanzipation das Projekt der kubanischen Revolution ist.“
Es fehlte jedoch nicht an aufrichtiger und berechtigter Sorge um die Zukunft des kubanischen Revolutionsprojekts, vor allem angesichts der neuen wirtschaftlichen und sozialen Veränderungen, die die Regierung der Insel eingeleitet hat, um die tiefe Krise zu überwinden, in der sich das Land befindet. In diesem Zusammenhang erklärte Marcel Kunzmann, Journalist und Gründer des alternativen Medienprojekts CubaHeute, dass diese Maßnahmen alles darstellen, was die Regierung tun kann, um der Krise zu begegnen. Gleichzeitig handle es sich um ein Programm, um die Wirtschaft des Landes nachhaltig zu entwickeln und zu erhalten. Es gehe über die Bewältigung der Krise hinaus und sei zukunftsorientiert. Andererseits wies er darauf hin, dass dies den wahren Charakter der Beziehungen zwischen den USA und Kuba deutlich macht; denn durch die Eröffnung neuer Beteiligungsmöglichkeiten für US-amerikanische Unternehmen und Akteure an der kubanischen Wirtschaft wird der Mythos widerlegt, dass es die kubanische Regierung sei, die dieser Beteiligung Grenzen setze, und es wird deutlich, dass es die Gesetze der Wirtschafts-, Handels- und Finanzblockade sind – insbesondere das Helms-Burton-Gesetz –, die die Entwicklung normaler Handels- und Wirtschaftsbeziehungen zwischen dise zwei natürlichen Partnern, die Kuba und den USA sein könnten, behindern.
Die Besorgnis erstreckte sich auch auf die Unterstützung seitens des Volkes für das revolutionäre Projekt und das historische Erbe der Unabhängigkeitsbewegung. In diesem Zusammenhang betonte die Direktorin des Instituts für Philosophie in Havanna, dass auch dort das Erbe Fidels präsent sei, insbesondere in seinem Bestreben, durch Bildung und Lehre ein kritisches revolutionäres Bewusstsein zu formen, das bis heute im kubanischen Volk fortlebt. Sie erklärte außerdem, dass die Kubaner trotz des erklärten Ziels der US-Regierung, mit der Ausübung des „stillen Krieges“ gegen Kuba das Selbstwertgefühl des Volkes zu untergraben und es dazu zu bringen, sich für seine Geschichte der Emanzipation zu schämen, nicht nachgeben, weil sie verstehen, dass die Vereinigten Staaten noch nie irgendwo ein emanzipatorisches Projekt vorangetrieben haben. Zudem betonte sie: „Damit es eine Mobilisierung des Volkes gibt, muss es einen Sinn und ein Bewusstsein für das politische Projekt geben, und in Kuba ist das politische Projekt nach wie vor das Projekt der Revolution.“
René González erklärte seinerseits: „Die kubanische Revolution aufrecht, standhaft und widerstandsfähig zu erhalten, als Vorbild einer Nation, eines Landes, das sich von der neuen internationalen geopolitischen Ordnung abhebt – ich glaube, das ist die Rolle, die Kuba spielt, und es ist nicht so, dass wir diese Rolle übernehmen wollten, sondern die Geschichte hat uns in diese Position gebracht. Es ist unsere Aufgabe, die kubanische Revolution und die Rolle zu verteidigen, die die übrigen Völker der Welt der kubanischen Revolution zugeschrieben haben, und es wird Aufgabe dieser Völker und der internationalen Solidarität sein, die Unterstützung für dieses Kuba aufrechtzuerhalten. Die kubanische Revolution ist nicht verloren; inmitten dieser Krise hat das kubanische Volk umfassend seine Loyalität gegenüber der kubanischen Revolution unter Beweis gestellt.“
(Foto) Facebook Ines Schwerdtner
Inés Schwerdtner, Vorsitzende der Partei Die Linke und Podiumsteilnehmerin der Veranstaltung, fand ebenfalls Worte der Anerkennung für das kubanische Volk und die kubanische Nation, als sie auf ihrem Instagram-Account über die Konferenz schrieb: „Kuba und der Mut und die Widerstandskraft der kubanischen Bevölkerung ist immer wieder Ausgangspunkt auch für unsere Debatten eines Internationalismus und demokratischen Sozialismus in Widersprüchen und auf der Höhe unserer Zeit.“
(Foto) Facebook Ines Schwerdtner
Es waren drei Tage intensiven Austauschs über den Kontext, in dem sich die Menschheit in der neuen Weltordnung entwickelt, und darüber, wie Kuba, getreu dem Erbe von Martí, Fidel und unseren Unabhängigkeitskämpfen, sich trotz der Schwierigkeiten und des immensen Widrigkeiten weiterhin als jene andere Welt erhebt, die tatsächlich möglich ist.
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